Strategie first — Tools next.
Warum KI eine Führungsentscheidung ist, keine Tool-Frage.
Viele Geschäftsführungen testen KI-Tools, aber die strategische Wirkung bleibt aus. Studien zeigen: Bis zu 80 Prozent aller KI-Einführungen scheitern. Woran liegt das — und was müssen Entscheidungsträger tun, damit KI zur echten Führungsentscheidung wird?
Viele Geschäftsführungen testen KI-Tools, aber die strategische Wirkung bleibt aus. Studien zeigen: Bis zu 80 Prozent aller KI-Einführungen scheitern. Woran liegt das — und was müssen Entscheidungsträger:innen tun, damit KI zur echten Führungsentscheidung wird? Wir haben mit Siegmar Schmidt gesprochen, Diplom-Ingenieur, TÜV-zertifizierter KI-Strategieberater und Workshop Master Facilitator.
Über Siegmar Schmidt:
Siegmar Schmidt bringt über 30 Jahre Industrie- und Führungserfahrung in seine KI-Strategiearbeit ein. Sein Werdegang reicht vom Auszubildenden über den Diplom-Ingenieur und internationale Vertriebsverantwortung bis zur Geschäftsführung einer US-Tochtergesellschaft und zur globalen Transformationsarbeit in Konzernstrukturen. Als TÜV-zertifizierter KI-Strategieberater und zertifizierter KI-Strategieberater des Koerting-Institute (KISB) verbindet er technische Tiefe mit unternehmerischer Praxis. Sein Fokus: KI-Strategie für Geschäftsführungen und Entscheider im Mittelstand — in drei Workshop-Formaten: dem 1-Tages KI-Strategie-Sprint, dem 1-Tages KI-Vertiefungsworkshop sowie dem 2-Tages KI-Strategie-Sprint für Geschäftsführer.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Herr Schmidt, Sie beginnen Ihre Workshops mit einem provozierenden Widerspruch zu einem berühmten Zitat. Warum?
Siegmar Schmidt:
Konfuzius soll gesagt haben: „Der Weg ist das Ziel.“ Der Satz klingt weise — aber für unternehmerische Entscheidungen ist er falsch. Denn ohne Ziel kommt man nicht ans Ziel. Man kommt irgendwo an. Und genau das erleben wir gerade bei KI in vielen Unternehmen: Es wird viel gelaufen, aber niemand weiß, wohin.
Das ist keine philosophische Frage, sondern eine wirtschaftliche. Wer irgendwo im Unternehmen mit KI beginnt — in einer Abteilung, in einem Prozessschritt, in einem einzelnen Fachbereich — ohne strategische Klärung, investiert nach Gefühl. Zehn Abteilungen probieren zehn Werkzeuge aus, ohne dass jemand die Frage beantwortet: Was davon zahlt überhaupt auf unsere Unternehmensziele ein? Die Folge sind Doppelarbeit, Insellösungen, verbranntes Budget — und am Ende die Einschätzung in der Geschäftsführung, KI bringe im eigenen Haus eben nichts.
Deshalb ist meine Kernaussage klar: KI braucht ein Ziel. Und dieses Ziel muss aus der Strategie kommen, nicht aus dem Tool.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
„Strategie first — Tools next.“ Woher kommt Ihre Überzeugung, dass es genau in dieser Reihenfolge laufen muss?
Siegmar Schmidt:
Aus über dreißig Jahren Industrieerfahrung. Ich habe als Auszubildender begonnen, bin über den Diplom-Ingenieur, den internationalen Vertrieb und die Transformationsarbeit in Konzernstrukturen gegangen, und ich habe eine US-Tochtergesellschaft als Geschäftsführer aufgebaut und geführt. In jeder dieser Stationen habe ich dasselbe erlebt: Jede Technologie-Einführung scheitert oder gelingt an derselben Frage — ist sie strategisch gedeckt?
Wer eine neue Technologie einführt, ohne vorher zu wissen, welches Geschäftsproblem sie lösen soll, produziert Kosten. Wer ein CRM einführt, ohne den Vertriebsprozess dahinter zu klären, produziert Datenmüll. Und wer heute KI einführt, ohne die strategische Frage geklärt zu haben — wo bringt KI in meinem Geschäftsmodell echten Nutzen —, verbrennt Geld, Zeit und verunsichert die Belegschaft.
Die Reihenfolge ist deshalb keine Meinung, sondern eine Betriebsnotwendigkeit: Erst die strategische Klärung, dann die Auswahl der passenden Werkzeuge. Umgekehrt funktioniert es nicht. Ohne Strategie fehlt die Zielführung — und ohne Zielführung wird das Ergebnis verfehlt.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Woran scheitern die meisten KI-Einführungen — und was muss geschehen?
Siegmar Schmidt:
Aktuelle Studien nennen Zahlen, die aufhorchen lassen: Bis zu 80 Prozent aller KI-Einführungen in Unternehmen scheitern. Und der interessante Punkt: Sie scheitern fast nie an der Technik.
Sie scheitern an Themen, die nur die Geschäftsführung selbst klären kann:
– fehlende Strategie und mangelnde Datenqualität
– kultureller Widerstand in der Organisation
– mangelndes Change-Management
– nicht passender Business Case
Was viele unterschätzen: Neben der strategischen und organisatorischen Ebene kommt ein rechtlicher Block dazu, der es in sich hat. Sobald ein Unternehmen KI einsetzt, sind die DSGVO, das neue Datenrecht und der EU AI Act in vollem Umfang zu beachten.
Konkret heißt das: Wer sensible Unternehmensdaten in ein cloudbasiertes KI-System eingibt, muss wissen, wohin diese Daten fließen, wer darauf zugreifen kann und ob sie für das Training des Modells verwendet werden. In vielen Unternehmen passiert genau das — ohne dass Geschäftsführung oder Datenschutzbeauftragte davon wissen.
Die Verantwortung dafür liegt nicht bei der IT und nicht bei den Anwendern. Sie liegt bei der Geschäftsführung. Die Konsequenzen sind erheblich:
– DSGVO-Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes
– EU-AI-Act-Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des Jahresumsatzes
– zivilrechtliche Haftungsrisiken und persönliche Haftung der Geschäftsführung
Wer ohne strategische Klärung startet, verbrennt Geld, Zeit und verunsichert die Belegschaft — was muss also geschehen?
Erstens: eine strategische Bestandsaufnahme, wer im Unternehmen bereits KI nutzt — offen oder inoffiziell mit privaten Accounts — und mit welchen Daten.
Zweitens: eine belastbare Antwort auf die Frage, welche Daten überhaupt in welche Systeme fließen dürfen.
Drittens: klare Verantwortlichkeiten und ein dokumentierter Kompetenznachweis auf Führungsebene, wie ihn Artikel 4 der KI-Verordnung seit dem 2. Februar 2025 verlangt.
Viertens: die Auswahl und Priorisierung des passenden Business Case — welcher Anwendungsfall zahlt wirklich auf die Unternehmensziele ein und ist unter realen Bedingungen umsetzbar. Genau das ist die eigentliche taktische Leistung, um die es geht.
Ohne diese vier Punkte ist jede KI-Einführung ein Blindflug — wirtschaftlich, rechtlich und persönlich.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Sie arbeiten mit einem klaren Aufbau: Strategie, Taktik, Operativ. Was steht dahinter?
Siegmar Schmidt:
Das ist die didaktische und methodische Grundlage meines KI-Strategie-Sprints. Ich verdichte die Arbeit auf drei Ebenen, die logisch aufeinander aufbauen:
Strategie – die Geschäftsführung klärt: Wo steht mein Unternehmen? Was ist unser Geschäftsmodell? Welche KI-relevanten Chancen und Risiken haben wir? Am Ende steht eine KI-Strategie auf einer Seite — der strategische Kompass für die nächsten zwölf Monate.
Taktik – Anwendungsfälle werden identifiziert und priorisiert. Nicht der spannendste Business Case gewinnt, sondern derjenige, der unter realen Bedingungen aus Nutzen, Aufwand, Risiko und Datenlage am besten pilotierbar ist. Ergebnis: ein Top-Anwendungsfall mit Mini Business Case — entscheidungsreif zur Umsetzung.
Operativ – die Umsetzung wird verankert: eine kompakte Roadmap mit KPIs, ein Pilotprojekt-Steckbrief und ein persönlicher 30-60-90-Tage-Plan. Damit ist die Brücke vom Workshop-Erlebnis in den Unternehmensalltag geschlagen.
Ein Beispiel:
Nicht einfach ein KI-Tool im Einkauf einführen, sondern strategisch klären, welche Beschaffungsentscheidungen überhaupt automatisierbar sind — und welche menschlich verantwortet bleiben müssen. Erst dann folgt die Werkzeugauswahl.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Was kann eine Geschäftsführerin, ein Geschäftsführer morgen konkret anders machen?
Siegmar Schmidt:
Ich empfehle drei Schritte, die sofort wirken.
Erstens: Aufhören, KI als IT-Thema zu behandeln. KI ist eine Führungsaufgabe mit Bezug zu Geschäftsmodell, Prozess, Daten, Recht und Kultur. Wer sie in die IT-Abteilung wegdelegiert, verliert die strategische Steuerung. Entscheidungen über Prioritäten, Investitionen und Risiken gehören an die Spitze, nicht in die Fachabteilung.
Zweitens: Nicht fragen „Wo können wir KI einsetzen?“, sondern „Welches Geschäftsproblem wollen wir lösen — und ist KI dafür das richtige Mittel?“ Das ist eine andere Denkrichtung. Sie führt zu belastbaren Entscheidungen statt zu Experimenten.
Drittens: Verantwortung strukturieren. Jeder KI-Pilot braucht eine namentliche Verantwortung, ein Zeitfenster, ein Erfolgskriterium und einen klaren Ausstiegspunkt. Ohne diese vier Elemente entsteht kein belastbares Ergebnis — nur ein Aktionismus, der Ressourcen bindet.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Sie sprechen die KI-Verordnung an. Wie ernst sollten Geschäftsführungen Artikel 4 nehmen?
Siegmar Schmidt:
Sehr ernst. Artikel 4 der KI-Verordnung verpflichtet Unternehmen seit dem 2. Februar 2025, dass Beschäftigte, die KI einsetzen oder deren Ergebnisse nutzen, über eine dem Einsatzkontext angemessene KI-Kompetenz verfügen. Das gilt nicht erst für die Anwender, sondern besonders für diejenigen, die KI verantworten — also die Führungsebene. Wer als Geschäftsführer nicht nachweisen kann, dass er die Grundlagen versteht, hat im Ernstfall ein persönliches Haftungsrisiko. Das ist keine akademische Debatte, das ist Führungsrealität. Deshalb ist mein Workshop auch als strukturierter Kompetenznachweis dokumentierbar — ein Baustein, um dieser Pflicht sauber zu begegnen.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Was erwartet Teilnehmende im KI-Strategie-Sprint konkret?
Siegmar Schmidt:
Vor allem: eigene Arbeitsergebnisse, keine Lehrbuchbeispiele. Die Teilnehmenden arbeiten einen Tag lang am eigenen Unternehmen und nehmen vier konkrete Ergebnisse mit:
– eine KI-Strategie auf einer Seite — der strategische Kompass für die nächsten zwölf Monate
– einen priorisierten Top-Anwendungsfall mit Mini Business Case — entscheidungsreif zur Umsetzung
– eine Kompakt-Roadmap mit Pilotprojekt und KPIs — operativ anschlussfähig
– einen persönlichen 30-60-90-Tage-Plan mit konkreten Handlungen
Das Format ist bewusst strategisch gehalten — kein Tool-Training. Die Zielgruppe sind Geschäftsführer:innen, Inhaber:innen und Entscheidungsträger:innen aus mittelständischen Unternehmen, typischerweise zwischen 50 und 500 Mitarbeitenden.
Alle Termine, Details und Anmeldung finden Sie im aktuellen Newsletter der IHK-Akademie Ostwestfalen. Wer sich zunächst unverbindlich einen Eindruck verschaffen möchte, dem empfehle ich die kostenlose Online-Info-Veranstaltung am 12.10.2026 von 15:00 bis 16:00 Uhr. Dort gebe ich einen kompakten Einblick in Konzept und Arbeitsweise und beantworte Ihre Fragen — ganz ohne Verpflichtung. Die Präsenztermine des KI-Strategie-Sprints finden anschließend im November 2026 statt: am 3. November in Minden, am 11. November in Bielefeld und am 17. November in Paderborn. Für alle, die tiefer einsteigen möchten, biete ich zwei ergänzende Formate an: den 1-Tages KI-Vertiefungsworkshop und den 2-Tages KI-Strategie-Sprint für Geschäftsführer.
IHK-Akademie Ostwestfalen:
Ihr persönlicher Rat zum Schluss?
Siegmar Schmidt:
Verwechseln Sie Aktivität nicht mit Fortschritt. Viele Unternehmen sind gerade sehr aktiv bei KI — sie experimentieren, sie testen, sie kaufen ein. Aber Fortschritt entsteht erst, wenn die Aktivität an eine klare Strategie gebunden ist. Nehmen Sie sich einen Tag Zeit, in dem Sie nicht ausprobieren, sondern entscheiden. Danach werden Sie mit weniger Aufwand mehr Wirkung erzielen. Und Sie werden vor Ihrem Beirat, vor Ihrem Vorstand und vor Ihrem Team eine klare Antwort auf die Frage haben, wohin die Reise geht. Das ist Führung — und darauf kommt es an.
Herzlichen Dank, lieber Herr Schmidt, für die klaren Einblicke.
Sie möchten näher einsteigen?
| 👉 Kostenlose Online-Info-Veranstaltung Montag, 12.10.2026 · 15:00 – 16:00 Uhr · online · unverbindlich →http://www.ihk-akademie.de/kurs/5380/ 👉 KI-Strategie-Sprint — Präsenztermine 2026 Dienstag, 03.11.2026 Minden Mittwoch, 11.11.2026 Bielefeld Dienstag, 17.11.2026 Paderborn → http://www.ihk-akademie.de/kurs/5320/
Weiterführende Infos: 👉 Alle Workshop-Formate im Überblick 1-Tag KI-Strategie-Sprint Kompaktformat für Entscheidungsträger:innen — Präsenztermine im November 2026 (siehe oben). 1-Tag KI-Vertiefungsworkshop Vertiefung des Sprints für Absolvent:innen und weiterführende Führungsteams — Termine auf Anfrage. 2-Tage KI-Strategie-Sprint für Geschäftsführer:innen Erweitertes Format für Geschäftsführungen und Vorstände mit vertiefter Strategiearbeit — Termine auf Anfrage. |















