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Mediation als Erfolgsfaktor in der Ausbildung

Ein Interview aus der Praxis!

Nicole von Barnekow im Gespräch mit Attila Sepsi, Ausbildungsberater bei der IHK Ostwestfalen und Absolvent des IHK-Zertifikatslehrgangs „Wirtschaftsmediator und Verhandlungsmanager (IHK)“

Warum Mediation in der betrieblichen Ausbildung an Bedeutung gewinnt!

Nicole von Barnekow:
Herr Sepsi, Sie sind seit vielen Jahren als Ausbildungsberater bei der IHK Ostwestfalen tätig und haben Ende letzten Jahres den Zertifikatslehrgang „Wirtschaftsmediator und Verhandlungsmanager (IHK)“ erfolgreich abgeschlossen. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus für die betriebliche Ausbildung gewonnen – insbesondere im Hinblick auf Mediation?

Attila Sepsi:
Eine zentrale Erkenntnis ist, dass Mediation ein äußerst wirksames Instrument für die betriebliche Ausbildung sein kann. Konflikte sind im Ausbildungsalltag keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Entscheidend ist jedoch, wie frühzeitig und professionell damit umgegangen wird. Mediation bietet hier einen strukturierten Ansatz, um Spannungen konstruktiv aufzulösen, bevor sie eskalieren oder zu Ausbildungsabbrüchen führen.

Nicole von Barnekow:
Welche typischen Konflikte begegnen Ihnen in der Praxis der Berufsausbildung?

Attila Sepsi:
Konflikte entstehen auf unterschiedlichen Ebenen – sowohl im Betrieb als auch im Zusammenspiel mit der Berufsschule. Häufige Ursachen sind unter anderem:

  • unklare Erwartungen oder Aufgabenstellungen
  • fehlende, unzureichende oder als zu streng empfundene Anleitung
  • subjektiv empfundene Ungleichbehandlung
  • Missverständnisse in der Kommunikation
  • unterschiedliche Arbeits- und Lernstile
  • Über- oder Unterforderung
  • Teamkonflikte, Konkurrenzdenken oder persönliche Spannungen
  • Probleme in der Einsatz-, Schicht- oder Urlaubsplanung
  • mangelnde Rückmeldungen oder fehlende Unterstützung

Diese Themen wirken auf den ersten Blick oft banal, können sich jedoch schnell verfestigen, wenn sie nicht offen angesprochen werden.

Nicole von Barnekow:
Warum sollten Ausbilderinnen und Ausbilder mediative Kompetenzen entwickeln?

Attila Sepsi:
Mediative Kompetenzen ermöglichen es Ausbildern, Konflikte nicht nur zu „lösen“, sondern deren Ursachen zu verstehen. Wer zuhören, Interessen herausarbeiten und Gespräche strukturiert führen kann, schafft Vertrauen und Verbindlichkeit. Das stärkt die eigene Führungskompetenz und entlastet zugleich den Ausbildungsalltag. Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität und Fachkräfteknappheit ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Nicole von Barnekow:
Welchen Mehrwert bietet Mediation für die Qualität und den Erfolg einer Ausbildung?

Attila Sepsi:
Ein erheblicher Teil von Ausbildungsabbrüchen ist nicht leistungsbedingt, sondern auf Kommunikations- und Beziehungskonflikte zurückzuführen. Mediation setzt genau an dieser Stelle an. Sie fördert gegenseitiges Verständnis, Motivation und Verantwortungsübernahme – und trägt damit nachhaltig zur Qualität der Ausbildung und zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses bei.

Nicole von Barnekow:
Wie kann Mediation konkret dazu beitragen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden?

Attila Sepsi:
Mediation schafft einen geschützten Rahmen, in dem Erwartungen, Bedürfnisse und Wahrnehmungen offen angesprochen werden können. Frühzeitige Klärung verhindert, dass sich Frustration und Rückzug entwickeln. Auszubildende fühlen sich ernst genommen, Ausbilder gewinnen Handlungssicherheit – eine entscheidende Grundlage, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Nicole von Barnekow:
Welche Bedeutung hat Mediation für das Betriebsklima insgesamt?

Attila Sepsi:
Ein professioneller Umgang mit Konflikten wirkt sich unmittelbar positiv auf das Betriebsklima aus. Wenn Probleme frühzeitig angesprochen und lösungsorientiert bearbeitet werden, verbessert sich die Zusammenarbeit zwischen Ausbildern, Auszubildenden und Kolleginnen und Kollegen spürbar. Mediation fördert eine offene Kommunikationskultur – und genau diese ist ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Ausbildung.

Nicole von Barnekow:
Vielen Dank, Herr Sepsi, für Ihre praxisnahen Einblicke.

 

Mediation in der Ausbildung – Mehrwert für Unternehmen

Warum sich mediative Kompetenzen für Betriebe lohnen:

  • Reduzierung von Ausbildungsabbrüchen
    Frühzeitige Konfliktklärung verhindert Eskalationen und bindet Auszubildende nachhaltig.
  • Stärkung der Führungskompetenz von Ausbildern
    Strukturierte Gesprächsführung und professioneller Umgang mit Konflikten erhöhen Handlungssicherheit.
  • Verbesserung des Betriebsklimas
    Offene Kommunikation fördert Vertrauen, Zusammenarbeit und Motivation im Team.
  • Zeit- und Kostenersparnis
    Geklärte Konflikte reduzieren Reibungsverluste und entlasten Fach- und Führungskräfte.
  • Sicherung des Fachkräftenachwuchses
    Eine wertschätzende Ausbildungskultur steigert die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber.

Qualifizierung für die Praxis – Angebote der IHK-Akademie Ostwestfalen

Die IHK-Akademie Ostwestfalen unterstützt Unternehmen gezielt dabei, ihre Ausbilder und Führungskräfte auf die wachsenden Anforderungen im Ausbildungsalltag vorzubereiten.
Mit praxisnahen Weiterbildungsangeboten – unter anderem im Bereich Mediation, Kommunikation und Konfliktmanagement – erwerben Teilnehmende Kompetenzen, die unmittelbar im betrieblichen Alltag wirksam werden.

Speziell zum Thema Mediation in der Berufsausbildung hat die IHK-Akademie ein neues 2-tägiges Seminarangebot geschaffen. Interesse an diesem Kurs? Mehr erfahren unter: https://www.ihk-akademie.de/kurs/5032/mediationskompetenz-fuer-ausbilder-konflikte-professionell-klaeren-kommunikation-staerken-ausbildung-nachhaltig-sichern/

Wer sich vertiefend zum Thema Mediation weiterbilden möchte, für den ist der IHK-Zertifikatslehrgang „Wirtschaftsmediator/in und Verhandlungsmanager/in (IHK)“ geeignet https://www.ihk-akademie.de/kurs/2374/wirtschaftsmediator-in-und-verhandlungsmanager-in-ihk/